Die Gnade Gottes ist ein versprochenes
Geschenk und kann nicht durch bloßes Einhalten von Gottes Gesetzen erworben werden.
Paulus versucht diese Wahrheit im Galaterbrief klarzumachen. Hierzu verneint Paulus,
wovon bisher alle Juden ausgegangen waren, nämlich, dass alle Juden
rechtmäßige Erben von Abraham sind, weil sie aus der Geburtslinie
Abrahams abstammen. Doch Paulus argumentiert vollkommen neu,
dass nämlich alle Erben Abrahams sind, die an der Verheißung Gottes festhalten. Er erläutert dies an folgendem Beispiel:
21 Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht?
22 Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, den einen von der Magd, den andern von der Freien.
23 Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch gezeugt worden, der von der Freien aber kraft der Verheißung.
24 Diese
Worte haben tiefere Bedeutung. Denn die beiden Frauen bedeuten zwei
Bundesschlüsse: einen vom Berg Sinai, der zur Knechtschaft gebiert, das
ist Hagar;
25 denn
Hagar bedeutet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das
jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt.
26 Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter.
27 Denn
es steht geschrieben (Jesaja 54,1): »Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die
du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht
schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder, als die den Mann
hat.«
28 Ihr aber, liebe Brüder, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.
29 Aber
wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch gezeugt war, den verfolgte,
der nach dem Geist gezeugt war, so geht es auch jetzt.
30 Doch
was spricht die Schrift? »Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der
Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien« (1.Mose 21,10).
31 So sind wir nun, liebe Brüder, nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.
Abraham hatte zwei Söhne: Ismael und Isaak. Isaak ist der von Gott versprochene
Sohn, denn Sara war unfruchtbar und konnte keine Kinder bekommen. Ismael
ist der nach dem Fleisch gezeugte Sohn, denn Abraham hatte beschlossen
selbst für einen Erben zu Sorgen, also aus eigener Kraft und gegen
Gottes Willen, nach geltendem mesopotamischen Recht mit Hagar, der Magd
Saras. Während Isaak also durch den Geist gezeugt wurde,
weil diese Zeugung nach menschlichen Maßstäben und Anstrengungen nicht möglich
gewesen wäre.
Jetzt die beiden Frauen Sara und Hagar. Paulus offenbart hier: beide
Frauen stehen für einen Bund. Sara für einen Verheißungsbund (dieser ist
geschenkt) und Hagar für den Gesetzesbund am Sinai (dort gab es die 10
Gebote). Der Gesetzesbund führt in die Knechtschaft, denn das Gesetz macht nicht
frei, sondern verurteilt den Menschen zum Tod.
Außerdem ist Hagar ein Gleichnis für das irdische Jerusalem, das
Vergehen wird und dessen Bewohner, also die Juden ebenfalls in
Gefangenschaft leben, weil sie nach den Gesetz leben.
Das ewige, himmlische Jerusalem wird durch Sara repräsentiert. Hier
leben nur die Menschen, die im Glauben, die Verheißungen Gottes, wie das ewige Leben annehmen und
durch diesen Glauben gerechtfertigt sind. Darum schreibt Jesaja, dass
die Unfruchtbare fröhlich sein soll, weil sie, wie die Einsame, mehr
Kinder haben wird, als die, die einen Mann hat. Damit ist hier Sara
gemeint, die mehr Kinder haben wird, weil nicht nur die Juden aus ihrer
Erblinie im Reich Gottes leben werden, sondern Menschen aus allen
Nationen.
Aus diesem Grund werden die, die nach den Fleisch gezeugt sind, die verfolgen, die
durch den Geist gezeugt sind. Sie fordern ihr eigenes Recht und werden
niemals akzeptieren, dass die Gnade Gottes durch den Tod von Jesus Christus allen Menschen geschenkt ist, die daran glauben. Darum musste Abraham
Ismael und Hagar vertreiben und in die Wüste schicken, um die Verheißung zu
schützen, damit wir heute durch Jesus Christus, der die wahre Verheißung
ist, Kinder Abrahams und zukünftige Erben des neuen Jerusalems werden konnten.